
Samstag, 28. August 2010
Traum vom Ellern-Jade-Nordseekanal
Ellernrede Schweres Erbe für diesjährigen Kandidaten – Politik und Finanzkrise beliebte Themen
Bereits 1978 gab es die erste der traditionellen Ellernreden. Der Redner wird auch in diesem Jahr streng geheim gehalten.
VON GEERD LUKASSEN
Rastede - Wer in diesem Jahr die Ellernrede hält, bleibt natürlich bis zum Schluss geheim. Fest steht: Der Redner bzw. die Rednerin wird Teil einer langen Tradition von Ellernreden, die 1978 mit Dr. Dieter Zoller begann und 2008 mit Maik Schneider und Harm Steusloff endete. In den Reden wurde kritisch und humorvoll Stellung genommen zu Politik und Gesellschaft in der Gemeinde Rastede. Auszüge aus einigen der Reden hat Uwe Harms zusammengefasst. In Vorträgen, wie am Donnerstag im Awo-Altenwohnzentrum auf Einladung der Arbeitsgemeinschaft SPD-60Plus, will er den Zuhörern so Lust machen auf die nächste Ellernrede. Hier ein Auszug aus einigen Reden.
Thema Ellernteich
Ohne Ellernteich kein Ellernfest und damit auch keine Ellernrede – da ist es verständlich, dass die Redner meist nur gute Worte über den Ellernteich verlieren. Der Theologe Hans Wilhelm Mechau träumte 1985 gar davon, dass der Ellernteich ein Jungbrunnen ist. Fantasie bewies auch Werner Schulz, langjähriger Moderator bei den Musiktagen, 1997 bei seiner Ellernreden in Reim-Form: „Am klaren Wasser unsres Ellern, hört man die Vögel trällern. Der Fisch springt ohne viel Gerangel, dem Angler freudig an die Angel, und auch die Maid wirft voller Lust, sich hier gern an des Jünglings Brust. Oh, welch schönes Fleckchen Erde, dass es niemals trocken werde“. Marine-Kapitän Hans-Joachim Oels hatte 1998 seine ganz eigenen Vorstellungen über den Nutzen des Teiches: „Ich empfehle, unverzüglich das Projekt Ellern-Jade-Nordseekanal anzupacken, damit wir Rasteder endlich das schaffen, wovon wir schon lange geträumt haben: den Durchbruch zum Meer. (...) Expertise zum Ausbau einer Rasteder Flotte steht seit meiner Pensionierung auch dauerhaft zur Verfügung, also packen wir es an!“
Thema Politik
Dass Politik ein schwieriges Geschäft ist, resümierte Pastor Jens Teuber in seiner Rede im Jahr der Bundestagswahl 2002. Grund sei die „Verbale Inkontinenz“, von der gerade Vertreter dieser Berufsgruppe oft und meist in Abständen von vier Jahren befallen seien. Sorgen machte sich Teuber um die Zukunft des Rathauses angesichts des damals neuen Internet-Auftritts der Gemeinde: „Da fragt man sich nur, warum dann das Rathaus erweitert werden muss, wenn man doch bald gar nicht mehr hinzugehen braucht.“
Ein Jahr später, die Finanzkrise war in vollem Gange, hatte Marit Strobel ihre ganz eigene Vorstellung, um finanziell wieder auf Vordermann zu kommen: den Anschluss Rastedes an Ostfriesland. „Denken Sie an die Ostfriesen-Witze, die genialste Werbe-Erfindung überhaupt.“
Die bisherigen Ellernredner haben sich bei ihren Ausführungen also einiges einfallen lassen – ein nicht ganz leichtes Erbe für den diesjährigen Kandidaten. Aber da sollte er es mit Pfarrer Wolfgang Duwe halten, der 1991 den Rat gab: „Unter der Mütze ein bisschen Grütze ist viel nütze. Aber ein fröhliches Herz unter der Weste ist doch das Beste.“
